Show Your Style x Hope Oh Ojays

Unser neuer Show-Your-Style-Gast ist Hope von der OH Crew. Seine Bilder haben legendären Status und sind weit über die deutschen Grenzen bekannt. Den Blick auf Hope zu richten heißt, den Blick auf das Trainwriting zu richten! Kein Gefährt ist vor Hope sicher. Spätestens nach dem Arte-Feature dachten wir uns, dass sich ein Gespräch mit ihm lohnen muss. Wollen wir Hope also zu Wort kommen lassen.

Name: Hope
City: Wahlheimat Rheinland
Crew: Olle Hippies und The O`Jays

Wann hast du angefangen, dich für Graffiti zu interessieren?
Lag dein Interesse am Anfang mehr auf dem legalen oder dem illegalen Malen?

Mein erster Kontakt mit Graffiti kam über den großen Bruder eines Schulfreunds zustande. Das dürfte so 1996 gewesen sein. Er brachte von einem Schüleraustausch einen Kalender mit Details von Oldschool-Pieces aus dem UK mit. Wir waren HipHop-Kids und blieben richtig hart drauf hängen, zeichneten von da an täglich.

Man muss wissen, dass wir aus ‘nem ziemlichen Kaff stammten, Graffiti unseren Alltag bisher überhaupt nicht tangiert hatte und wir folglich nach neuen Pieces geradezu gierten. Es folgten Ausflüge nach Stuttgart, Heidelberg, Mannheim oder Basel, um dort tonnenweise Fotos von Line-Pieces zu machen – HWS, TWS, TPM, SCM oder SAA waren unsere Helden und sind es bis heute geblieben.

Die Frage nach legalem Graffiti stellte sich in der Folge nicht, denn es gab keine Flächen. An der Bahnlinie und der Autobahn konnten wir allerdings aus dem Vollen schöpfen, denn hier war sowieso alles frei. Von da an dauerte es nicht lange, bis wir erkannten, dass sich in der Region auch einige sehr attraktive Yards befanden. So nahm die Sache dann ihren Lauf und auch die ersten Panels entstanden.

War es dir am Anfang wichtig mit Leuten los zu ziehen oder ging es dir hauptsächlich um Graffiti an sich, egal mit wem?

Am Anfang hatte ich außer meinem besten Kumpel keinen, der Graffiti genau wie ich gefeiert und dann auch durchgezogen hat. Es gab wechselnd ein paar Leute, die mitgemischt haben, aber eigentlich waren wir im Wesentlichen zu zweit und die anderen nur Mitläufer, denen irgendwie langweilig war oder was weiß ich. Neue Kontakte, für die Graffiti auch ernster war, kamen erst später und verfestigten sich dann mit den Jahren. Aber ich vermute, wenn ich anfangs keinen gehabt hätte, um diesen ganzen Lifestyle brüderlich zu teilen, hätte ich mich wohl nicht so festgebissen an der Sache.

Gab es bestimmte Beweggründe sich einer Crew anzuschließen und was bedeuten dir deine Crews?

Ich bin zum Studieren ins Rheinland gezogen und lernte dort die OH Crew kennen, die zum damaligen Zeitpunkt schon einige Jahre existierte und in Bonn neben INF quasi Monopolistin war.

Während die OH sich eher dem klassischen NY-Style mit viel Swing und knalligen Effekten verschrieben hatte, war INF eher so die Ruhrpott-Fraktion: Dick, blockig, voll erkennbar. Wir wurden Freunde und sind es bis heute geblieben.

Dass ich den Namen OH irgendwann schrieb und mit denen gemeinsam das Stadtbild prägte, war einfach eine logische Konsequenz unserer Freundschaft, aber auch meiner Art zu malen. Ich würde sagen, dass das für mich sehr prägende Jahre mit unvorstellbar viel Spaß an der Sache waren. Wir waren halt die typischen Writer: Immer Chaos, immer Party, immer Action, egal wo wir uns rumgetrieben haben.

The O´Jays sind dagegen eher ein Zusammenschluss von alten Freunden, als eine klassische Crew, die systematisch den Namen pusht. Aber die Jungs sind alle top und deswegen steht der Name auch weiterhin neben meinen Pieces.

Wie steht ihr heute zueinander?

Naja, wir schreiben das Jahr 2018 und die OH Crew ist jetzt 20 Jahre am Start. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die Menschen sich weiterentwickeln, Prioritäten und Wohnorte sich verändern. Es besteht nach wie vor eine mehr oder weniger enge Verbindung zwischen den Mitgliedern und alle sind irgendwie stolz darauf, Teil der Gruppe zu sein. Der aktive Kern hat sich aber verlagert und es sind jetzt schon auch andere Leute, die den Namen rollen lassen, als vor 20 oder auch vor 10 Jahren. Der harte Kern von damals steht jetzt mit Kinderwagen am Bahnhof, freut sich, wenn der Name einrollt und ruft die Jungen an, um Props zu geben. So läuft das halt, vermutlich sind wir da nicht anders als andere Crews. Hardcore Trainwriting kann sehr erfüllend sein, aber ein ganzes Leben verbringen die Wenigsten damit.

Du sagst es, 20 Jahre sind eine Menge Zeit. Wie würdest du deinen persönlichen Output beschreiben?

Das ist schwierig. Also grundsätzlich bin ich ein von Perfektionismus getriebener Mensch. Als Teenie wollte ich Styles mit viel Swing beherrschen, also habe ich da auch unendlich viel Arbeit reingesteckt. Viel Inspiration schöpfte ich aus Kalligrafie und West-Coast-Graffiti. Meine Idealvorstellung eines perfekten Styles hat sich über die Jahre natürlich verändert, aber grundsätzlich war mein Ziel immer, ein für meine persönlichen Begriffe ideales Panel zu malen, egal auf welchen Zug. Viel weniger ging es um bestimmte Systeme oder Quoten. Dieses perfekte Panel habe ich natürlich nie geschaffen, was auch der Grund ist, weshalb ich noch nicht aufgehört habe. Wenn ich nach all den Jahren meine Alben ansehen, war ich leider noch nicht mal nahe dran.

Ist es dir besonders wichtig, einen gewissen Prozentsatz deines Lebens ins Trainwriting zu stecken?

Den Traffic-Stress haben jetzt andere. Ich freue mich heute eher über gelegentliche Anlässe, zu denen ich dann das ganze Repertoire abspulen kann und ich mich hinterher wirklich für das Ergebnis begeistern kann. Zehn Minuten Panels brauche ich keine mehr, denn das Resultat schaue ich mir sowieso nie wieder an. Insgesamt wird die Zeit für Graffiti knapper durch andere Verpflichtungen, die zu Recht eine größere Rolle in meinem Leben spielen.

Was ist dein Antrieb, der dich dazu bringt, abends raus zu gehen und einiges an Konsequenzen zu riskieren?

Naja, die Sucht eben – es gibt kein Methadon für Leute wie mich. Und wie gesagt, der Drang, es nochmal besser zu machen als bisher. Aber die Vernunft siegt immer häufiger und inzwischen brauche ich meine Energie halt auch für andere, wichtigere Sachen.

Graffiti in Galerien, pro oder kontra?

Meiner bescheidenen Meinung nach funktioniert klassisches Graffiti wie man es aus dem öffentlichen Raum kennt auch nur dort – sobald man versucht, es in anderen Kontexten zu reproduzieren, wirkt es schnell kitschig oder gefangen. Grundsätzlich ist es aber natürlich nachvollziehbar, wenn Leute ihr Leben mit Graffiti verbringen, dass sie das auch irgendwie nutzen wollen, um davon zu leben, aber in den wenigsten Fällen hat das für mich persönlich einen ästhetischen oder künstlerischen Reiz, wenn es den ursprünglichen Kontext verlässt. Das ist kein Gehate, das gilt natürlich auch für meine eigenen Sachen. Was allerdings interessant ist, sind Projekte wie die CI von Moses und Taps, da werden wirklich neue Wege bestritten und das Ganze befruchtet dann auch wieder deren illegales Schaffen. Das bleibt aber offenbar die Ausnahme. Oder Leute verlassen komplett den Graffiti-Kosmos und machen freie Kunst, aber die legen dann in aller Regel auch Wert darauf, die Dinge voneinander zu trennen, was sicher kein Zufall ist. Die haben oft keinen Bock auf dieses Graffiti-Image und schaffen sich eine neue Marke.

Auf was können wir uns Zukunft freuen, stehen besondere Projekte an?

Hm, da kann und will ich nichts zu sagen. Es kommt, wie es kommt. Die OH Crew jedenfalls bleibt sichtbar, so viel ist sicher.